Bandinfo

Es gibt viele davon: von Menschen geschaffene Bauwerke, die Alltägliches sicherstellen, aber selten ins Auge fallen. Freileitungsmasten, umgangssprachlich Strommasten genannt, sind eine dieser Konstruktionen. Als stählerne Pfeiler in der Landschaft verstreut werden sie kaum zur Kenntnis genommen. Dabei spielen sie bei der Stromversorgung von rund 40,4 Millionen deutscher Haushalte in Deutschland eine grundlegende Rolle bei der Verteilung und Führung von Oberleitungen.

Diese Konzeption einer so gut wie nie wahrgenommenen Wichtigkeit im Beständigen stand Pate bei der Namensgebung der deutschen Musikgruppe Strommasten aus dem Ruhrgebiet, welches bekanntermaßen eine Hochburg besagter Stahlgestellriesen ist.
Die vier Musiker schlossen sich im Jahre 2014 zusammen, um Rockmusik mit Popflair zu spielen und dabei auf altmodische Weise Modernität zu zelebrieren. Sie suchen nach den Nahtstellen musikalischer Popkultur, trennen diese sorgfältig auf, um sich verschiedenster Versatzstücke zu bedienen und ihren eigenen musikalischen Flickenteppich zu weben.

Strommasten beobachten, nicken oder schütteln frappiert mit dem Kopf, schreiben und schnallen sich Instrumente um. Galant tingeln sie zwischen dem sterilen, kantigen Elektropop der 80er und überdrehtem Poprock der 2010er, scheuen keine Grenzüberschreitungen in punkrockige Gefilde und denken erst gar nicht daran sich stilistisch allzu sehr treu zu bleiben.

Textlich legen Strommasten den erhobenen Mittelfinger in die Wunden der Gesellschaft und salzen noch ein wenig nach. Sie begeben sich ganz nahe an die Kante manch sozialen Abgrunds und schmeißen mit Steinchen. Auf mich, auf dich und auf sich gegenseitig. Manchmal passen sie dabei sogar auf, dass aus dem Spaß nicht bitterer Ernst wird. Zumindest behaupten sie das.

Was Strommasten in ihren Texten auf satirische Art und Weise verpacken, klingt darüber hinaus eingängig bis tanzbar: Sei es die allgegenwärtige Koch“kultur“, die in „Diskjockey am Herd“ aufs Korn genommen wird oder die Erkenntnis, dass Anderssein letzten Endes genauso durchschnittlich ist wie alles Andere auch („Der Durch- schnitt“); ein ernstgemeintes Augenzwinkern inklusive. Doch das könnte auch nur einer leichten Verschrobenheit geschuldetes, nervöses Augenzucken sein.

2014 erschien die erste die Drei-Track-EP Maracujaschorle, welche auch die Single „Discokugel (Diskocugel)“ beinhaltet.